Startseite | Impressum | Sitemap | Kontakt | Datenschutz | Europa Partnerseiten | Übersee Partnerseiten | Themen Partnerseiten

Justinian I.

Persönlichkeiten der byzantinischen Geschichte

Kaiser Justinian I.

Justinian I. ist der zehnte Kaiser des Byzantinischen Reiches. In seiner Regierungszeit erreicht das Byzantinische Reich seine größte Ausdehnung und auch die erste kulturelle Blüte. Justinian I. reformiert das Staatswesen im Byzantinischen Reich und regelt das Verhältnis des Staates zu den Provinzen und Städten im Reich. Seine Frau Kaiserin Theodora I. gilt wegen ihrer starken Rolle und ihrem Einfluss auf ihren Mann als Vorbild für weitere byzantinische Kaiserinnen.

Familie und Geburt

Mit dem Namen Petrus Sabbatius wird Justinian am 11. Mai 482 nach Christus in Tauresium (heute Taor, FYRO Mazedonien) in einfachen Verhältnissen geboren. Über Justinians Vater ist außer seinem Namen Sabbatius nichts bekannt. Seine Mutter Vigliantia ist die Schwester des späteren byzantinischen Kaisers Justin I., welcher zum Zeitpunkt der Geburt Justinians in der kaiserlichen Leibgarde in Konstantinopel dient.

Jugend in Konstantinopel

Wann Justinian in die Hauptstadt Konstantinopel gekommen ist, ist unklar. Als gesichert gilt, dass sein Onkel Justin in zu sich an den Hof gerufen hat und dass Justin den als Petrus Sabbatius geborenen adoptiert hat, woraufhin dieser den Namen Justinian angenommen hat. In Konstantinopel hat Justinian eine Ausbildung genossen, die ihn in Bezug auf seine Bildung zum Vorbild späterer Kaiser gemacht hat. Da in der byzantinischen Provinz Illyrien Latein die Umgangssprache ist, ist Justinian ebenfalls mit dem Latein aufgewachsen und das am Hof übliche Griechisch hat er mehr schlecht als Recht als Fremdsprache erlernt.

Justinian und Kaiser Justin I.

Im Jahr 518 nach Christus wird Justin Nachfolger des byzantinischen Kaisers Anastasios. Da Anastasios´ Sohn in jungen Jahren gestorben ist, gibt es keine dynastische Erbfolge und Justin muss sich auf diplomatischen Weg gegen andere Kandidaten durchsetzen. Einige Quellen berichten, dass Justinian bereits bei der Thronbesteigung seines Onkels seine Finger im Spiel gehabt hat. Justin I. ist bäuerlicher Herkunft und gilt als ungebildet und ungehobelt. Mit dem Hofzeremoniell ist er in seiner neunjährigen Amtszeit überfordert. Justinian übt bereits ab der Thronbesteigung Einfluss auf die Geschicke des Byzantinischen Reiches aus. Von seinem Onkel wird Justinian gefördert und systematisch zum Nachfolger aufgebaut.

Justinian und Theodora

Um das Jahr 520 nach Christus lernt Justinian Theodora kennen. Ihr Vater war Bärenwärter im Hippodrom und ihre Mutter ging einem leichteren Gewerbe nach. Bereits in jungen Jahren tritt Theodora in die Fußstapfen ihrer Mutter und ist in Konstantinopel stadtbekannt. Mit einem Beamten des Hofes verlässt sie Konstantinopel in Richtung Ägypten, was zu diesem Zeitpunkt zum Byzantinischen Reich gehört. Lange bleibt sie nicht in Afrika, sie kehrt nach Konstantinopel zurück, wo sie Justinian kennenlernt.

Heirat mit Theodora

Trotz des zweifelhaften Rufes Theodoras und gegen die Wiederstände am Hof und in der Gesellschaft von Konstantinopel heiratet Justinian sie im Jahr 525 nach Christus im Vorgängerbau der heutigen Hagia Sophia. Die Heirat ist erst möglich, nachdem im Jahr zuvor die Gemahlin Justins I. Lupicina, die selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammt, gestorben ist. Sie leistet bis zu ihrem erbitternden Wiederstand gegen die Verbindung Theodoras zu Justinian.

Krönung zum Kaiser des Byzantinischen Reiches

Am 1. August 527 nach Christus wird Justinian zum Kaiser gekrönt. Justinian I. legt großen Wert darauf, dass seine Frau Theodora nicht nur formal Mitkaiserin ist, sondern auch mit ihm regiert und eigene Entscheidungen trifft. Der Nachwelt ist Theodora vor allem wegen ihrem starken Einfluss auf Justinian I. bekannt.

"Ewiger Frieden" mit Persien

Kurz nach seiner Thronbesteigung beginnt Justinian I. diplomatischen Kontakt zum persischen Sassaniden König Chosrau I. Bereits unter Justin I. ist es 526 nach Christus wieder zum Krieg zwischen dem Byzantinischen und dem Sassaniden Reich gekommen. In der Folge kommt es 530 und 531 nach Christus zu zwei großen Schlachten zwischen den Heeren der beiden Reiche, in denen jeweils einmal das Byzantinische und einmal das Sassanidenreich als Sieger hervorgehen. Im Friedensvertrag, der „Ewiger Frieden“ genannt wird, des Herbstes 532 nach Christus erkauft sich Justinian I. den Frieden mit dem Sassanidenreich gegen jährlich 10.000 Pfund Gold.

Leere Staatskasse und der Nike-Aufstand

Durch die vielen neuen Gebäude, die Justinian I. im gesamten Byzantinischen Reich erbauen lässt, und den Krieg gegen das Perserreich ist die byzantinische Staatskasse faktisch geleert. Mit immer höheren Steuern versucht Justinian I. dem Bankrott entgegenzusteuern, was ihn bei der Bevölkerung unbeliebt macht. Am 13. Januar 532 nach Christus kommt es im Hippodrom zu einem Aufstand, der sich bis zum 19. Januar hinzieht. Im Verlauf der „Nika-Aufstand“ genannten Revolte werden der Vorgängerbau der Hagia Sophia, das Kaiserforum und andere Gebäude im Palastviertel und in der Innenstadt von Konstantinopel durch Brände zerstört und Hypatius wird zum Gegenkaiser ausgerufen. Justinian geht gegen die Aufständischen mit Härte vor. Im Hippodrom lässt er 20.000 Einwohner Konstantinopels abschlachten und Hypatius hinrichten, was das Ende des Aufstandes bedeutet.

Rückeroberung Nordafrikas

Mit der Niederschlagung des Nika-Aufstandes festigt Justinian I. seine Macht, die nach der Niederlage in der Schlacht gegen die Perser ins Wanken geraten ist. Durch den „Ewigen Frieden“ mit den Sassaniden kann sich Justinian I. dem Westen zuwenden. Das Weströmische Reich ist bereits 476 nach Christus untergegangen, wobei die byzantinischen Herrscher niemals ihren Herrschaftsanspruch auf den Westteil des ehemaligen Römischen Reiches aufgegeben haben. Mit seinem Feldherren Belasar, der sich im Nika-Aufstand als kaisertreu erwiesen hat aber auch für das Massaker im Hippodrom verantwortlich ist, zieht Justinian I. 534 nach Christus gegen die Vandalen im Norden Afrikas und Süden Spaniens, die im selben Jahr gesiegt werden.

Eroberung Italiens und der östlichen Adriaküste

Ermutigt von seinen Erfolgen entsendet Justinian I. im Jahr 535 nach Christus Belasar gegen die Goten in Italien. Dem Gotenfeldzug gehen Erbfolgestreitigkeiten der Goten nach dem Tod König Theoderichs voraus. In zwei Kriegen gelingt es Belasar und dem Feldherren Narses Italien für das Byzantinische Reich von den Goten zu erobern. Justinian I. herrscht ab diesem Zeitpunkt über die größten Teile des ehemaligen Römischen Reiches. Nach ihm wird kein byzantinischer Kaiser wieder diese Machtfülle besitzen.

Bau der Hagia Sophia

Innenpolitisch setzt Justinian I. auf die Versöhnung mit seinem Volk. Bereits wenige Tage nachdem beim Nika-Aufstrand der Vorgängerbau der Hagia Sophia abgebrannt ist, beginnt Justinian I. mit dem Bau einer neuen Kirche. Justinian I. soll dabei die Optik im Traum vorgegeben worden sein. Nach etwas weniger als sechs Jahren ist die Hagia Sophia im Rohbau fertiggestellt und wird durch den Patriarchen von Konstantinopel Eutiychios geweiht. Justinian I., der bei der Einweihung der Hagia Sophia am 27. Dezember 537 nach Christus in seinem zeremoniellen Streitwagen eingefahren sein soll, sieht sich und die Hagia Sophia in der Nachfolge des von Salomon erbauten Salomonischen Tempels in Jerusalem. Die Hagia Sophia wird über tausend Jahre lang die größte christliche Kirche der Welt sein.

Probleme mit der Kuppel der Hagia Sophia

Noch zu Lebzeiten von Justinian I. stürzt die Kuppel der Hagia Sophia durch starke Erdbeben ein. Justinian I. lässt die Kirche umgehend reparieren, wobei die Kuppel, die sich aus statischer Sicht als zu flach erwiesen hat, erhöht wird. Mit einer Höhe von nun 55,6 Metern über dem Boden wird die Hagia Sophia am 23. Dezember neu eingeweiht und hat seit damals ihre innere Erscheinungsform bis heute bewahrt. Das äußere Bild der Hagia Sophia hat sich durch zahlreiche Erdbebenschutzstreben und die seit der osmanischen Eroberung Konstantinopels vorhandenen Minarette stark verändert. Heute gilt die Kuppel der Hagia Sophia als Erdbebengefährdet und der türkische Staat arbeitet in Zusammenarbeit mit der UNESCO am Schutz der Hagia Sophia.

Die Justinianische Pest

Der „Ewige Frieden“ mit den Sassaniden hält gerade einmal acht Jahre. Der sassanidische König Chosrau I. bricht im Jahr 540 nach Christus den Vertrag mit Justinian I. und fällt im Osten über das Byzantinische Riech her. Er geht davon aus, dass Byzanz im Westen durch die Eroberung Italiens gebunden ist. Im gelingt es die für Byzanz wichtige Stadt Antiochia zu erobern. Auch im Westen muss Justinian I. um sein Reich kämpfen, da Awaren, Hunnen und Slawen seine Eroberungen bedrohen. Neben den Kämpfen gegen menschliche Feinde, steht Justinian I. ab 541 nach Christus ein weiterer weitaus gefährlicherer Fein gegenüber. Von der Krim durch Händler eingeschleppt bricht im Jahr 541 nach Christus die Pest in Konstantinopel aus. Von der Hauptstadt Konstantinopel aus breitet sich die Pest weit über die Grenzen des Byzantinischen Reiches aus. Allein in Konstantinopel sollen dem Geschichtsschreiber Prokopios zufolge bis zu 10.000 Menschen am Tag an der Pest gestorben sein, wobei diese hohe Zahl mit Vorsicht zu genießen ist.

Tod Justinians I. und sein Nachwirken

Im für die damalige Zeit sehr hohen Alter von 83 Jahren stirbt Justinian I. am 14. November 565 nach Christus. Neben seinen Erfolgen bei der Eroberung des ehemaligen Weströmischen Reiches, seiner Staatsreformen und seinen Bauten, von denen die Hagia Sophia in Konstantinopel hervorsticht, ist Justinian Iauch als Verfasser des Codex Justinianus bekannt. Der Codex Justinianus ist eine Gesetzessammlung römischen Rechts und ist von Justinian I. zwischen 529 und 534 nach Christus mit verfasst worden.

Heiligenverehrung Justinians?

In der Orthodoxen Kirche wird Justinian I., der auch den Beinamen der Große trägt, entgegen vieler Quellen nicht als Heiliger verehrt, obwohl er häufig mit einem Heiligenschein dargestellt wird, so erscheint sein kolportierter Gedenktag 14. November nicht im offiziellen Heiligenkalender des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel (Istanbul) http://www.ec-patr.org/en/contents.htm . Der Heiligenschein bei zeitgenössischen Darstellungen römischer und byzantinischer Herrscher geht meistens auf den Sonnengott Sol invictus zurück.

Byzanz Bildergalerie:

Justinianische Eroberung Istrien Justinianische Eroberung Sardinien Justinianische Eroberung Tunesien
Justinianische Eroberung Istrien Justinianische Eroberung Sardinien Justinianische Eroberung Tunesien

Linkempfehlungen: