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Philippi

Orte und Regionen im Byzantinischen Reich

Philippi im Byzantinischen Reich

„Bei Philippi sehen wir uns wieder!“ sagt in dem Bühnenstück „Julius Cäsar“ von William Shakespeare der Geist Julius Cäsars zu Brutus in dessen Traum in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht gegen Octavian und Marcus Antonius bei Philippi. Dieses noch heute geläufige Zitat ist meist das Einzige, was über Philippi bekannt ist. Dass Philippi in der Antike und im Byzantinischen Reich eine bedeutende Rolle gespielt hat, ist weniger bekannt.

Lage Philippis

Das antike Philippi (Φιλιπποι) liegt heute in Nordgriechenland an der Grenze der Provinzen Makedonien und Thrakien, etwa 14 Kilometer nordwestlich von Kavala und 20 Kilometer südöstlich von Drama bei der kleinen Ortschaft Krinides (Κρηνιδες). In der Antike führt die Via Egantia, die Rom über Dyrrahichium und Thessaloniki mit Konstantinopel verbindet, durch Philippi. Für die Anreise nach Philippi eignet sich am Besten der Flughafen von Thessaloniki, da der nähere Flughafen Kavala nur unregelmäßig angeflogen wird. Philippi ist von Thessaloniki 160 Kilometer entfernt, was in der Antike einer fünftägigen Reise auf der Via Egnatia entsprach, und über Drama oder Kavala mit dem KTEL Bus erreichbar.

Stadtgründung durch Philipp II.

Das Gebiet um Philippi ist seit dem Neolithikum um das Jahr 5.000 vor Christus besiedelt. Um 360 vor Christus wird Philippi von Thasiern (nach anderen Quellen von Athener Siedlern) unter dem Namen Krinides gegründet. Die Siedler können die Stadt nicht gegen die Thraker verteidigen und bitten Philipp II. von Makedonien, den Vater Alexanders des Großen, um Unterstützung. Philipp erobert die Stadt im Jahr 356 vor Christus und benennt sie nach sich Philippi.

Apostel Paulus in Philippi

In römischer Zeit gibt es in Philippi zwei wichtige Gegebenheiten, die eine Erwähnung verdienen. In der eingangs erwähnten Schlacht von Philippi wird die Stadt zum Schauplatz der Entscheidung zwischen Brutus und Cassius auf der einen Seite und Octavian (später Kaiser Augustus) und Marcus Antonius auf der Anderen. Die zweite Begebenheit ist der Aufenthalt des Apostel Paulus in Philippi in den Jahren 49 und 50 nach Christus. Der Apostel Paulus gründet die erste christliche Gemeinde in Europa in der Stadt.

Teilung des Römischen Reiches in West- und Ostrom

Mit der verwaltungstechnischen Teilung des Römischen Reiches in einen westlichen und einen östlichen Teil, kommt Philippi an Byzanz. Durch den Besuch des Apostel Paulus in Philippi wird die Stadt zu einem Wallfahrtsort und in frühbyzantinischer Zeit entstehen monumentale Kirchengebäude, die es in Pracht und Ausstattung mit den Kirchen in Thessaloniki und Konstantinopel aufnehmen können. Nachdem die Verkehrssprache in der Stadt in der römischen Zeit Latein ist, geht die Stadt, wie das gesamte Byzantinische Reich, langsam zum Griechischen über.

Beginnender Niedergang Philippis

Im 5. Jahrhundert nach Christus beginnt der langsame Untergang der Stadt Philippi. Durch mehrere Erdbeben werden zentrale Gebäude stark beschädigt. Im Jahr 473 nach Christus belagert der ostgotische König Thiudimir Philippi, kann es aber nicht einnehmen. Die von Byzanz erbauten byzantinischen Stadtmauern halten der Belagerung stand. Die Justinianische Pest, die im Jahr 547 nach Christus in Philippi wütet und das verheerende Erdbeben von 617 nach Christus, tun ihr Übriges die Stadt zu entvölkern.

Untergang der städtischen Kultur in Philippi

Da Philippi nachwievor eine strategisch äußerst gute Lage hat, nehmen die Bulgaren die Stadt im Jahr 838 nach Christus ein. Die Herrschaft der Bulgaren dauert jedoch nur bis 850 nach Christus an. Der byzantinische Kaiser Michael III. erobert die Stadt zurück und lässt die Befestigungsmauern verstärken. Philippi ist von einer blühenden byzantinischen Stadt zu einem reinen Verteidigungsvorposten geworden und wird als solcher auch später von dem byzantinischen Kaiser Nikiphoros II. Phokas in den Jahren 963 bis 969 nach Christus ausgebaut.

Die letzten Jahre Philippis

Im 11. Jahrhundert lässt der Bischof der Stadt Vasilios Kartzimopoulos einige Kirchen, öffentliche Gebäude und Verteidigungsanlagen reparieren, was zu einem kurzzeitigem Bevölkerungswachstum in Philippi führt. Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzritter im Jahr 1204 fällt Philippi an das Königreich Thessaloniki, wird jedoch bereits 1222 durch das Despotat Epirus für Byzanz zurückerobert. Den endgültigen Untergang der Stadt besiegelt um das Jahr 1390 die Eroberung Philippis durch die Osmanen. Bereits im 15. Jahrhundert ist Philippi komplett verlassen und es stehen lediglich noch Ruinen, die von der einstigen Pracht zeugen.

Philippi heute

Die Ruinen von Philippi gelten heute als die größte römische Ausgrabungsstätte im Norden Griechenlands. Neben hellenistischen Ruinen, wie dem Theater, dem Heroon und dem Neapolis Tor, welches den Zugang zu der Ausgrabungsstätte bildet, sind römische Gebäude und Kultstätten ausgegraben worden, so sind Ruinen eines Artemis-, eines Kybele- und eines den ägyptischen Göttern geweihten Heiligtums, das Forum (bzw. Agora), die Thermen und die Palästra zu sehen.

Byzantinisches Erbe in Philippi

Zu den byzantinischen Sehenswürdigkeiten in Philippi gehören die über der Anlage auf einem Berg thronende Akropolis, die sogenannte Basilika A, welche direkt an der alten Via Egnatia liegt, die beeindruckende Basilika B aus dem Jahr 550 nach Christus, das christliche Oktogon, welches als erste Kirche und später Bischofskirche in Philippi dient und dem Apostel Paulus geweiht worden ist, die Bischofsresidenz, welche sich südöstlich an das Oktogon anschließt und das Badehaus im Osten des Oktogons.

Byzanz Bildergalerie:

Überreste von byzantinischen Mauern in Philippi Byzantinisches Relief im Archäologischen Museum von Philippi Ruine der byzantinischen Kirche von Philippi im Morgengrauen. Im Hintergrund die schneebedeckten Berge des Rodopengebirges.
Überreste von byzantinischen Mauern in Philippi Byzantinisches Relief im Archäologischen Museum von Philippi Ruine der byzantinischen Kirche von Philippi im Morgengrauen. Im Hintergrund die schneebedeckten Berge des Rodopengebirges.

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