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Nicäa

Orte und Regionen im Byzantinischen Reich

Nicäa im Byzantinischen Reich

Neben Konstantinopel und Thessaloniki ist Nicäa die wichtigste Stadt im Byzantinischen Reich. Wie Konstantinopel hat die Stadt einige Male im Lauf der Geschichte den Namen gewechselt, so ist Nicäa vor der Umbenennung Elikori, Ankori und später Antigonio genannt worden. Lysimachos, einer der Diadochen Alexanders des Großen, gründet die Stadt im Jahr 302 vor Christus mit dem Namen seiner im Jahr zuvor verstorbenen Frau Nikaia (griechisch: Νικαια, gesprochen Nikea) neu. In der römischen Zeit der Stadt wird die Stadt Nicaea genannt. Von der lateinischen Bezeichnung Nicaea leitet sich auch der deutsche Name der Stadt Nicäa ab.

Lage Nicäas

Der heutige Name Nicäas ist Iznik. Iznik ist zu einer Kleinstadt knapp 23.000 Einwohnern geschrumpft. Nicäa liegt am Ostufer des Askania-See, der heute Iznik See heißt. Luftlinie ist Iznik lediglich 90 Kilometer von Istanbul entfernt, da bei der Luftlinie das Marmarameer „überflogen“ werden muss, dauert die Autofahrt von Istanbul nach Iznik knapp drei Stunden, wobei 230 Kilometer zurückgelegt werden müssen. Alternativ ist es möglich mit der Fähre von Istanbul nach Yalova zu fahren und von dort aus mit dem Dolmus (Kleinbus) nach Iznik. Die Gesamtreisezeit für diese Strecke beträgt etwa 2 1/2 Stunden. Durch die hohe Frequenz der Verbindungen lässt sich Iznik als Tagesausflug von Istanbul aus bewerkstelligen. Die Reiseentfernung zwischen Istanbul und Iznik entspricht nicht der kürzesten Entfernung zwischen Konstantinopel und Nicäa. Auf den Straßen des Byzantinischen Reiches sind es lediglich 151 Kilometer jedoch beträgt die Reisedauer in etwa fünf Tage.

Stadtgründung in vorrömischer Zeit

Der Gründer der Stadt Nicäa Lysimachos wählt die Lage der Stadt anhand der Nähe zu dem Ort seines Sieges in der Schlacht von Ipsos im Jahr 301 vor Christus. Der Thrakische Volksstamm der Bithynier, der seit dem 5. Jahrhundert vor Christus einen Staat in Westanatolien sowohl gegen Alexander den Großen als auch seine Diadochen, unabhängig halten konnten, erobert im Jahr 284 vor Christus Nicäa. Das Königreich der Bithynier erlangt in der Mitte des zweiten Jahrhunderts vor Christus seine Blütezeit und tritt in Opposition zu der wachsenden Militärmacht Rom.

Konzil von Nicäa

Ab 74 vor Christus wird Bithynien und somit auch Nicäa Teil des Römischen Reiches. Nicäa wird in die Provinz Bithynia et Pontus mit der Provinzhauptstadt Nikomedia eingegliedert. Nicäa ist neben Nikomedia die zweitwichtigste Stadt in der römischen Provinz. Zum Zentrum der christlichen Welt wird Nicäa während des ersten (eigentlich zweiten) Ökumenischen Konzils zu dem etwa 320 Bischöfe aus dem gesamten Römischen Reich auf Einladung Konstantins und unter seinem Vorsitz vom 20. Mai bis 25. Juli 325 zusammenkommen. Auf dem Konzil von Nicäa wird der Arianismus geächtet und die erste Version des, noch heute gültigen und sowohl von Katholischer als auch Orthodoxer Kirche anerkannte, Glaubensbekenntnisses verabschiedet.

Teilung des Römischen Reiches in West- und Ostrom

Mit der verwaltungstechnischen Teilung des Römischen Reiches in einen West- und einen Ostteil rückt Nicäa nah an die Hauptstadt des Reiches, die sich jetzt in Konstantinopel befindet, heran. Im vierten Jahrhundert nach Christus erhält Nicäa byzantinische Stadtmauern, welche eine Länge von drei Kilometern haben, zwischen sieben und zehn Meter hoch sind, eine Breite zwischen fünf und sieben Metern und 200 Türme haben. Mit diesen Mauern ist Nicäa ein wichtiger Vorposten für die Verteidigung der Hauptstadt Konstantinopel.

Hauptstadt des Themas Opsikion

Um das Jahr 650 nach Christus wird Nicäa die Hauptstadt des neu eingerichteten byzantinischen Themas (Verwaltungsbezirk) Opsikion und beherbergt die größte Militäreinheit des Byzantinischen Reiches in seinen Mauern. Vom 24. September bis zum 23. Oktober 787 ist Nicäa Tagungsort des siebten Ökumenischen Konzils (Zweites Konzil von Nicäa) unter Beteiligung von etwa 350 Gottesleuten unter ihnen eine Delegation des Papstes in Rom. Das Konzil findet in der Hagia Sophia Kirche statt, welche als Moschee noch heute existent ist. Thema des Konzils ist der byzantinische Bilderstreit in dem sich Ikonodulie (Ikonenverehrer) und Ikonoklasten (Ikonenzerstörer) gegenüber und als Ergebnis des Konzils wird die Ikonenverehrung unter bestimmten Umständen erlaubt.

Erste osmanische Eroberung Nicäas

Nicäa geht Byzanz erstmals im Jahr 1081 verloren. Die Seldschuken erobern Nicäa und machen es zu ihrer Hauptstadt. Die Herrschaft der Seldschuken währt jedoch nicht lange, da das Kreuzritterheer des ersten Kreuzzuges die Stadt im Jahr 1097 erfolgreich belagert. Während die Belagerung durch die Kreuzfahrer andauert, gelingt es Byzanz auf dem diplomatischen Weg die Seldschuken zu bewegen, die Stadt an Byzanz zu übergeben, um eine Plünderung Nicäas durch die Kreuzfahrer zu vermeiden. Die Kreuzfahrer, welche auf die Beute der Plünderung angewiesen sind, um das Kreuzfahrerheer zu unterhalten, sehen in dem Vorgehen des Byzantinischen Reiches Verrat und es entwickeln sich die ersten Spannungen zwischen Byzanz und Kreuzfahrern.

Hauptstadt Kaiserreich Nicäa

Die Kreuzfahrer des vierten Kreuzzuges erobern im Jahr 1204 Konstantinopel und weite Teile des Byzantinischen Reiches. Dem byzantinischen Kaiser Theodoros I. Laskaris gelingt mit dem Patriarchen von Konstantinopel die Flucht nach Nicäa, wo er das Kaiserreich Nicäa gründet, welches sich in der direkten Folge des Byzantinischen Reiches und der Kaiser sich als Kaiser von Byzanz sieht. Auf dem Gebiet des Byzantinischen Reiches entstehen mehrere Kreuzfahrerstaaten wie das lateinische Kaiserreich und das Königreich Thessaloniki und neben Nicäa die beiden byzantinischen Staaten Despotat Epirus und das Kaiserreich Trapezounta. Von den byzantinischen Staaten ist das Kaiserreich Nicäa am erfolgreichsten, so ist es auch der Kaiser Michael VIII., dem es 1261 gelingt Konstantinopel von den Kreuzfahrern zurückzuerobern und das Byzantinische Reich zu restaurieren.

Osmanische Eroberung und Hauptstadt des Reiches

Bereits im Jahr 1331 wird Nicäa vom osmanischen Sultan Orhan I. erobert, der die Stadt, welche seitdem Iznik heißt, zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reiches macht. Die Osmanen weihen die Kirche Hagia Sophia in Nicäa zur Orhan-Moschee um und bauen einige weitere Gebäude wie ein Imaret. Iznik erlebt in der Folge eine kurze Blütephase, in der die Stadt in der gesamten arabischen Welt für ihr Porzellan bekannt ist. Bereits 200 Jahre später ergibt eine Volkszählung, dass Iznik gerade noch 2.000 Einwohner hat. Das alte Nicäa ist zu einer Kleinstadt verkommen.

Byzantinisches Erbe in Iznik

Im heutigen Iznik sind vor allem die gut erhaltenen byzantinischen Stadtmauern ein Magnet für Besucher. Neben der Orhan-Moschee, welche die ehemaligen byzantinischen Kirche Hagia Sophia und zwischen 1930 und 2011 ein Museum ist, gibt es noch byzantinische Überreste in Form eines kleinen Teils des Hafens, der mittlerweile jedoch versandet ist, in Teilstücken des Aquädukts außerhalb der Stadtmauern und die Überreste der zerstörten Kirche Maria Himmelfahrt (Κοιμηση της Θεοτοκου), die während des Kaiserreichs Nicäa die Kathedrale des Patriarchen von Konstantinopel gewesen ist.

Byzanz Bildergalerie:

Hagia Sophia Kirche in Iznik (Nicäa). In der heutigen Moschee hat das 7. Ökumenische Konzil stattgefunden. Das heutige Istanbul Kapi in Iznik. Schon in römischer Zeit war das Tor der Beginn des Weges Nicäa - Byzantium und später in byzantinischer Zeit Nicäa - Konstantinopel An der Atatürk Caddesi in Iznik befinden sich die Ruinen der byzantinischen Kirche Hagios Tryphonos des ehemaligen Nicäa.
In der ehemaligen Kirche Hagia Sophia in Nicäa (heute Iznik) hat 787 nach Christus das 7. Ökumenische Konzil stattgefunden. Heute ist die Kirche ein Museum und wird auch als Moschee genutzt. Schon in römischer Zeit hat dieses Stadttor als Beginn des Weges nach Byzantium, Konstantinopel und später Istanbul gedient. Es trägt noch heute den Namen Istanbul Kapi. Ruinen der byzantinischen Kirche Hagios Tryphonos im heutigen Iznik. Von den vielen byzantinischen Kirchen ist nur die Hagia Sophia erhalten. Im heutigem Iznik finden sich noch Ruinen der Kimisis und der Täuferkirche