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Das Erbe des Byzantinischen Reiches

Was ist von Byzanz geblieben?

Was ist vom großen, in Europa gefürchteten und geachteten Byzantinischen Reich geblieben? Eigentlich könnte man meinen, dass fast 600 Jahre nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen in der heutigen Gesellschaft keine Spuren mehr zu finden sind. Erfolgreich ist Byzanz aus dem deutschen Schulunterricht getilgt worden. Politiker instrumentalisieren das Byzantinische Reich für Vergleiche mit der heutigen Zeit und nutzen dabei plakative Phrasen von „Spätrömischen Dekadenz“.

Bei genauerer Betrachtung unseres vereinigten Europas und dessen außenpolitischen Kontakten kommt zu Tage, dass politische Entscheidungen, kulturelle Einflüsse, religiöse Spannungen, nationale Symbole und auch internationale Konflikte auf das Byzantinische Reich zurückgehen. In der Spätantike und im Mittelalter hat Byzanz eine bedeutende Rolle als Vermittler zwischen dem Westen und dem Osten wahrgenommen, mit dem Untergang Byzanz´ ist diese Rolle seitdem vakant. Um das Byzantinische Reich in Bezug auf seine Außenpolitik nicht zu sehr zu glorifizieren und Byzanz unter einen (Heiligen-) Schein zu rücken, muss an der Stelle auch erwähnt werden, dass zahlreiche Konflikte in der heutigen Zeit vom Byzantinischen Reich verschuldet worden sind.

Politik:

Das byzantinische Erbe in der Politik lässt sich besonders gut an der Politik in Griechenland erkennen. National (rechtsradikal) eingestellte Griechen sehen sich und Griechenland in der Nachfolge des Byzantinischen Reiches. Bis heute gibt es in Griechenland die sogenannte „Große Idee“ (Μεγαλη Ιδεα – Megali Idea), welche zum Ziel hat die Kleinasiatische Küste, die nördliche Schwarzmeerküste und Zypern mit Griechenland zu vereinigen. Athen wird von diesen Griechen lediglich als provisorische Hauptstadt gesehen, die nach der „Befreiung“ von Konstantinopel abgelöst werden soll. Die „Große Idee“ gilt gemäß einiger Quellen als ausgestorbene Bewegung aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Gespräche mit der heutigen griechischen Bevölkerung belegen jedoch, dass die Idee nicht ausgestorben ist.

Das traditionell gute Verhältnis Russlands, Griechenlands und Serbiens geht auch auf byzantinische Zeit zurück. Die drei Völker sind durch die gemeinsame Orthodoxe Religion miteinander verbunden und seit Jahrhunderten vereint gegen das Vorrücken des Islams nach Europa. Durch die Mitgliedschaft und das Veto Griechenlands in der EU sind zum Beispiel während des Balkankrieges Mitte der 1990er einige Sanktionen gegen das damals serbisch geführte Jugoslawien gescheitert.

Die Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 hat für Europa auch unmittelbare Folgen gehabt. Mit dem Byzantinischen Reich ist ein, damals als solcher nicht wahrgenommener, Verteidigungsvorposten gegen die Ausdehnung des Osmanischen Reichs gefallen. Bereits im Jahr 1529, nur 76 Jahre nach dem Fall Konstantinopels, stehen die Osmanen das erste Mal vor den Stadttoren Wiens und können nur mit Mühe zurückgeschlagen werden. Die Grenze zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Osmanischen Reich verläuft in den folgenden zwei Jahrhunderten nur 140 Kilometer vor den Stadttoren Wiens.

Religion:

Mit dem Schisma zwischen der Katholischen und oder Orthodoxen Kirche im Jahr 1054 trennen sich die beiden Kirchen. Der Papst in Rom beharrt auf seinem globalen Anspruch der christlichen Kirchenführung und der ökumenische Patriarch von Konstantinopel und mit ihm die weiteren orthodoxen Patriarchen lehnen diesen bis heute ab. Neben den kirchenpolitischen Streitfragen geht es (am Rande) auch um Gott und Religion. Zum Beispiel akzeptiert die Orthodoxe Kirche die katholische eigenmächtige Erweiterung des Nicänischen-Konstantinopolitischen Glaubensbekenntnisses, welches auf dem ersten Konzil von Konstantinopel 381 nach Christus beschlossen worden ist, durch das sogenannte Filoque nicht.

Das Verhältnis des Russisch-Orthodoxen Patriarchen von Moskau und den anderen Patriarchen wird durch den Anspruch auf die Oberhirtenschaft des Patriarchen von Moskau belastet, da er Russland und sich in der Nachfolge des Byzantinischen Reiches sieht. Dieser Konflikt erschwert die Annäherung der Katholischen und der Russisch-Orthodoxen Kirche weiter.

Neben den innerchristlichen Konflikten gibt es Konflikte zwischen der Orthodoxen Kirche und dem Türkischen Staat. Der Sitz des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel ist auch heute noch Istanbul. Der türkische Staat hat in den 1950er Jahren alle christlichen Glaubensschulen schließen lassen und akzeptiert keinen Patriarchen, der nicht türkischer Staatsbürger ist. Griechisch-Orthodoxe, die im Ausland ein Religionsstudium beginnen, wird die türkische Staatsbürgerschaft entzogen, was zur Folge hat, dass die Orthodoxe Kirche ein Problem hat, einen potenziellen Nachfolger für den aktuellen Patriarchen Bartholomäus II. zu finden.

Recht:

Im Jahr 438 nach Christus stellt Theodosios II. seinen später sogenannten Codex Theodosianus vor. Es handelt sich dabei um eine Sammlung der römischen Gesetze seit 321 nach Christus. Der Codex Theodosianus ist unter Anderem Vorlage des von Justinians I. erstellten Corpus Iuris Civilis, der den Codex Iustinianus beinhaltet. Erst nach dem Fall des Byzantinischen Reiches wird der Corpus Iuris Civilis von Imerius di Bologna in der Renaissance wiederentdeckt. Auf Basis des Corpus Iuris Civilis entsteht in Bologna eine Rechtsuniversität, welche Studierende aus ganz Europa anlockt. Nach Beendigung ihres Studiums nehmen die Studenten das erlernte Wissen über das römisch-byzantinische Recht mit in ihre Heimatländer. In der Folge bauen der Code Civil in Frankreich, das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch in Österreich und das Allgemeine Landrecht in Preußen auf dem von Justinian I. geschriebenen Corpus Iuris Civilis auf. In Teilen des 1806 zerfallenen Heiligen Römischen Reiches gilt der Corpus Iuris Civilis in nur leicht überarbeiteter Form bis zur Rechtsreform unter Bismark, der das Bürgerliche Gesetzbuch, welches ebenfalls auf den römischen Gesetzen fußt, zum 1. Januar 1900 einführt. Einige Rechtsnormen des Bürgerlichen Gesetzbuches gelten selbst nach der letzten umfassenden Reform 2002 bis heute in Deutschland und gehen auf Kaiser Justinian und das Byzantinische Reich zurück.

Kultur:

Mit der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen verlassen viele byzantinische Wissenschaftler das ehemalige Byzantinische Reich und lassen sich in westeuropäischen Ländern nieder. In Byzanz, welches sich immer in direkter Linie zum Römischen Reich gesehen hat, werden die Errungenschaft der Antike gepflegt und nicht als heidnisch, wie im Westen häufig geschehen, verworfen. Durch die Wissenschaftler und das Quellenmaterial, welches sie aus Konstantinopel und anderen Städten des Byzantinischen Reiches mitbringen, erhalten westliche Denker wieder einen Bezug zur Antike. Die Folge der Flucht der byzantinischen Wissenschaftler ist die Renaissance in Europa.

Das kulturelle Erbe Byzanz´ wird heute noch in Griechenland hochgehalten. Neben der Religion ist zum Beispiel die Griechische Küche ein Überbleibsel der byzantinischen Küche, die geprägt ist von der Lage zwischen Ost und West. Das griechische Nationalgericht Tzatziki geht auf die Verfeinerung durch das Byzantinische Reich zurück. Ob ein griechischer Koch seine Wurzeln in Ostthrazien, Konstantinopel oder einem anderen asiatischen Teil des Byzantinischen Reiches hat, ist leicht daran zu erkennen, wenn er Fleisch mit Zimt würzt. In negativer Weise lebt der byzantinische Hang zum Ämterkauf, zur Korruption und zur Vetternwirtschaft in Griechenland auch weiter.

Architektur:

Als achtes Weltwunder wird die Hagia Sophia in Istanbul oft bezeichnet, wer einmal unter der freischwebenden Kuppel gestanden hat, kann dies sehr gut nachvollziehen. Die von Justinian I. errichtete Kirche ist nicht nur über 1.000 Jahre lang die größte christliche Kirche der Welt, sie ist auch stilprägend für die meisten anderen byzantinischen Kirchen im Reich. Der Einfluss der byzantinischen Architektur geht auch in den Westen über. Karl der Große lässt den Dom zu Aachen als Oktogon mit freischwebender Kuppel bauen und nutzt dafür auch Porphyr aus dem Byzantinischen Reich. Ein weiteres Beispiel, wie die Westeuropäischen Herrscher versuchen sich an Byzanz anzulehnen, ist der Dom von Florenz.

Nicht nur in der westlichen Gesellschaft der späten Antike und des Mittelalters wird die byzantinische Baukunst verehrt. Bereits früh beginnen auch arabische Völker Moscheen nach Vorbild byzantinischer Kirchen zu bauen. So ist der Felsendom in Jerusalem und die Umayyaden-Moschee in Damaskus, die eine der ältesten Moscheen der Welt ist, eindeutig von Byzanz inspiriert.

Der um 1490 in Kayseri geborene Mimar Sinan gilt als der bedeutendste Architekt des Osmanischen Reiches. Er ist es der im heutigen Istanbul die prächtige Süleymaniye-Moschee baut und damit in die Fußstapfen der byzantinischen Architekten tritt. Sein Schüler Mehmet Aga baut gegenüber der Hagia Sophia die Sultan-Ahmed-Moschee und versucht dabei den Kuppelbau der Hagia Sofia zu kopieren. Bei aller Pracht und Schönheit der sogenannten Blauen Moschee scheitert Mehmet Aga, zur Stütze muss er vier Pfeiler einziehen, welche in der Hagia Sophia nicht notwendig sind.

Symbole:

Die Dynastie der Paleologen macht in der Endzeit des Byzantinischen Reiches den schwarzen doppelköpfigen Adler auf goldenem (gelben) Grund zur Flagge von Byzanz. Der nach links schauende Adlerkopf symbolisiert das Weströmische Reich, der nach rechts blinkende Adlerkopf das Oströmische Reich. Die Fahne wird noch heute von der Orthodoxen Kirche verwendet und zu kirchlichen Festen gehisst.

Neben der klerikalen Verwendung in der Orthodoxen Kirche hat der doppelköpfige Adler auch Eingang in die Heraldik weiterer Herrscher gefunden. 1547 wird Iwan IV. (der Schreckliche) zum ersten russischen Zaren (Caesar) gekrönt. Er übernimmt für das junge Russische Reich den byzantinischen Doppelkopfadler als Staatswappen. Der russische Doppelkopfadler ist jedoch golden auf rotem Grund und mit einem Brustschild um den Heiligen Georg ergänzt. Mit der Übernahme des Herrschaftszeichens des Byzantinischen Reiches erhebt Moskau auch den Anspruch das dritte Rom zu sein.

Der Doppelkopfadler ist auch im Heiligen Römischen Reich ein beliebtes heraldisches Zeichen. Kaiser Sigismund macht den Doppelkopfadler in Jahr 1433 zum Wappen des Reiches. Wie in Byzanz ist es ein schwarzer Adler auf goldenem Grund, in den Krallen Zepter und Reichsapfel, zusätzlich haben die Köpfe des Adlers einen Heiligenschein. Der Doppelkopfadler ist bis 1938 Bestandteil des Wappens von Österreich.

Der byzantinische Doppelkopfadler ist heute in den Nationalwappen Russlands, Montenegros, Serbiens, Albaniens und der autonomen Mönchsrepublik Athos zu finden. Ferner findet sich der Doppelkopfadler im Großen Wappen der Stadt Köln, im Wappen von Duisburg, Essen, Neuss, Lübeck, der Wiener Neustadt und der lausitzischen Stadt Ruhland auf dem Gebiet des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches.

Neben den offiziellen Wappen haben auch zwei griechische Fußballvereine den byzantinischen Adler zu ihrem Wappen gewählt. AEK (Αθλητική Ένωση Κωνσταντινουπόλεως – Sportvereinigung Konstantinopels) Athen hat die byzantinische Flagge eins zu eins übernommen. PAOK (Πανθεσσαλονίκειος Αθλητικός Όμιλος Κωνσταντινουπολιτών – Panthessalonischer Sportverein der Konstantinopoliten) hat sich für einen schwarzen Adler auf weißem Grund entschieden, wobei Schwarz für die Trauer um die verlorene Heimat und Weiß für die Hoffnung auf die Rückkehr nach Konstantinopel steht. Der Adler PAOK Thessalonikis hat als Zeichen der Trauer auch die Flügel angelegt.

Neben der Verwendung in westlicher Heraldik lebt ein Symbol des Byzantinischen Reiches in mehreren Flaggen islamischer Staaten weiter. Der Halbmond, welcher in der Flagge Azerbaidschan, Algeriens, Malaysias, Usbekistans, der Malediven, Bruneis, Mauretaniens, Nepals, Pakistans, Singapurs, Turkmenistans, Tunesiens, der Komoren, Bosniens und der Türkei in verschiedenen Farben vorkommt, leitet sich von dem Symbol der antiken Göttin Hekate ab. Bei Neugründung Konstantinopels wird die Stadt der Jungfrau Maria geweiht, deren Symbol ein Stern ist. Stern und Mond sind in Konstantinopel oft gemeinsam dargestellt und bilden die Inspiration für die ursprüngliche Osmanische Flagge, die in abgewandelter Form noch heute in vielen Staatsflaggen besteht.

Geraubte Kunst:

Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer des vierten Kreuzzuges ist die Plünderung der Stadt einhergegangen. Alle Kunstwerke, die nicht Niet und Nagelfest sind, werden geraubt - Kunstwerke, die befestigt sind auch. Die wohl bekannteste Trophäe der Plünderung Konstantinopels steht heute im Archäologischen Museum von Venedig. Die Quadriga, welche das Hippodrom in Konstantinopel geschmückt hat, hat bis vor wenigen Jahren in der Galerie des Markusdoms gestanden, bevor sie zu deren Schutz durch Kopien ersetzt worden sind. Neben der Quadriga ist am Markusdom auch die Skulpturengruppe der Tetrarchen aus Konstantinopel geraubt worden.

Neben Venedig sind byzantinische Reliquien und Kunstschätze in ganz Europa verstreut, so befindet sich im Dom zu Limburg eine wertvolle byzantinische Bibel aus Gold und Edelsteinen, in Notre Dame wird die ehemals im Blachernenpalast aufbewahrte Dornenkrone Jesu angebetet und Teile des Heiligen Kreuzes, welches die Heilige Helena Mutter Konstantins des Großen nach Konstantinopel hat bringen lassen, finden sich unter Anderem in Bamberg, Wien und Rom.

Byzanz Bildergalerie:

Anzeigetafel am Flughafen Thessaloniki auf der der Flug nach Istanbul mit Ziel Konstantinopel (abgekürzt als Kon/poli) angezeigt wird Der Felsendom in Jerusalem vom Ölberg gesehen Das Ökumenische Patriarchat in Istanbul
Anzeigetafel am Flughafen Thessaloniki auf der der Flug nach Istanbul mit Ziel Konstantinopel (abgekürzt als Kon/poli) angezeigt wird Der Felsendom in Jerusalem vom Ölberg gesehen Das Ökumenische Patriarchat in Istanbul

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