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Kreuzritter Eroberung 1204

Geschichte des Byzantinischen Reiches im Überblick

Historischer Kontext der Kreuzzüge

Die Geschichte der Eroberung Byzanz reicht in das 7. Jahrhundert nach Christus zurück. Im Jahr 638 nach Christus gehen Jerusalem und Palästina für Byzanz an die Sassaniden verloren. Die Seldschuken erobern 1071 Jerusalem und die anderen heiligen Stätten von den Fatimiden. Bei der Eroberung soll es zu einem Massaker an der christlichen Bevölkerung von Jerusalem gekommen sein. Der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos, der sich für den Schutz der heiligen Stätten und deren christlichen Pilger verantwortlich fühlt, bittet Papst Urban II. um Hilfe. Das Hilfegesuch von Alexios I. beantwortet der Papst indem er auf der Synode in Clermont 1095 zum ersten Kreuzzug aufruft.

Der erste Kreuzzug

1099 erobert das Kreuzfahrer Heer Jerusalem und errichtet mehrere Kreuzfahrerstaaten unter Anderem das Königreich Jerusalem und die Grafschaft Edessa. Der Verlust der Grafschaft Edessa an die Seldschuken unter Zengi 1144 hat den zweiten Kreuzzug zur Folge, der für die Kreuzfahrer keinen Erfolg bringt.

Der dritte Kreuzzug

Der dritte Kreuzzug von 1189 bis 1192 ist für die westeuropäischen Mächte zumindest ein Teilerfolg, da die Hafenstadt Akkon zurückerobert wird und so die Zerschlagung des Königreichs Jerusalem verhindert wird. Zur Hauptstadt des Königreichs Jerusalem wird Akkon. Der dritte Kreuzzug ist jedoch auch der Bruch zwischen den westeuropäischen Staaten und dem Byzantinischen Reich. Der byzantinische Kaiser Isaak II. Angelos verbündet sich mit Saladin, dem in Jerusalem regierenden Ayyubiden-Herrscher, und verweigert dem Kreuzzug unter Heinrich II. den Zug durch byzantinisches Gebiet. Erst nach der Plünderung einiger byzantinischer Städte durch Heinrich II. und direkter Bedrohung der Hauptstadt Konstantinopel kann das Kreuzfahrerheer passieren.

Vorbereitung des vierten Kreuzzuges

Im Jahr 1198 ist Jerusalem immer noch unter ayyubidischer Herrschaft und Papst Innozenz III. ruft zum vierten Kreuzzug auf. In Westeuropa ist man sich einig, dass es sinnvoll wäre zunächst das ayyubidische Mutterland Ägypten zu erobern, um Jerusalem einfacher einnehmen zu können. Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Byzantinischen Reich im dritten Kreuzzug soll das Kreuzfahrerheer auf dem Seeweg über Venedig nach Ägypten ausgeschifft werden. Venedig fordert für die Bereitstellung von größtenteils neu zu bauenden Schiffen 84.000 Silbermark. Erwartet worden sind zur Einschiffung etwa 34.000 Kreuzfahrer (4.000 Ritter mit ihren Pferden, 10.000 Junker und 20.000 Fußsoldaten), am 24. Juni 1202 finden sich jedoch nur 11.000 Kreuzfahrer ein. Venedig, welches das gesamte Staatsvermögen in die Flotte investiert hat und bei einem Scheitern des Kreuzzuges faktisch pleite gewesen wäre, besteht auf der Zahlung von 84.000 Silbermark, die von den Kreuzfahrern nicht vollständig bezahlt werden können.

Eroberung Zadars durch die Kreuzritter

In der Folge kommt es zu einem für die Kreuzzüge einschneidenden Pakt. Das katholische und unter kroatisch-ungarischer Verwaltung stehende Zadar, soll erobert werden und die Beute mit den Schulden der Kreuzfahrer verrechnet werden. Zadar im heutigen Kroatien wird im November 1202 von den Kreuzfahrern erobert. Mit der Eroberung Zadars haben die Kreuzfahrer, welche eigentlich gegen die aus ihrer Sicht ungläubigen Muslime kämpfen sollten, sich erstmals gegen eine katholische Stadt gewendet. Papst Innozenz III. exkommuniziert daraufhin das gesamte Kreuzfahrerheer, die Nachricht darüber erreicht jedoch nur die Anführer des Kreuzzuges, welche sie für sich behalten.

Währenddessen im Byzantinischen Reich

Im Byzantinischen Reich ist die Lage unübersichtlich. Im Jahr 1185 besteigt Isaak II. Angelos den byzantinischen Thron. Er ist der erste der kurzlebigen Dynastie der Angeloi. Seine Regierungsjahre sind geprägt von Günstlingswirtschaft und Korruption. Er verheiratet in zweiter Ehe seine Tochter Irini mit dem Sohn Friedrichs I. Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, dem späteren König Philipp von Schwaben. Er selbst ist in zweiter Ehe mit Margaret Maria einer Tochter des ungarischen Königs Bella III. verheiratet.

Usurpator Alexios III.

1195 nutzt Isaaks Bruder Alexios eine Jagdreise seiner Bruders, um selbst als Kaiser Alexios III. im Byzantinischen Reich den Thron zu besteigen. Isaak II. wird geblendet und zusammen mit seinem Sohn Alexios gefangengenommen. Der junge Alexios entkommt 1202 aus dem Gefängnis und findet Zuflucht am Hof seines Schwagers Philipp von Schwaben. Philipp ist nicht nur König von Schwaben, sondern auch der Bruder des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Heinrich VI.

Isaaks II. Sohn bei den Kreuzfahrern

Im Lager der Kreuzfahrer, die den Winter in Zadar verbracht haben, geht im Februar 1203 ein Angebot ein, welches alle finanziellen und logistischen Probleme des Kreuzzuges lösen könnte. Philipp von Schwaben, unterstützt von seinem Bruder Kaiser Heinrich VI., regt an, anstatt nach Ägypten zu ziehen, in Konstantinopel Isaak II. wieder auf den byzantinischen Thron zu setzen. Alexios, Sohn des Isaak II., habe als Belohnung 200.000 Silbermark und 10.000 byzantinische Soldaten für den weiteren Kreuzzug versprochen, so Philipp von Schwaben. Neben den materiellen Zuwendungen an die Kreuzfahrer habe Alexios auch zugesagt die Kirche im Byzantinischen Reich dem Papst in Rom unterzuordnen. Der Vorschlag ist von den übrigen Kreuzfahrern angenommen worden, so dass die Kreuzfahrerflotte am 24. Juni 1203 Segel in Richtung Konstantinopel setzt.

Alexios III. plündert die Staatskasse Byzanz`

Im Byzantinischen Reich haben sich die Verhältnisse zwischenzeitlich sogar noch verschlechtert. Um seinen Luxus zu finanzieren und Kirchen, Prachtbauten und Parks im Byzantinischen Reich zu bauen, verjubelt Kaiser Alexios III. die gesamte Staatskasse. Selbst die Flotte, welche zur Verteidigung der Stadt vorgesehen ist, wird abgewrackt und Anker, Ketten und alles sonstige Brauchbare verscherbelt. Das byzantinische Heer ist durch die schwachen Finanzen dezimiert und kaum einsatzfähig.

Ankunft der Kreuzfahrer in Konstantinopel

Die Kreuzfahrer landen am 5. Juli 1203 am Hafen des „lateinisch“ geprägten Pera-Ufers im nordöstlichen Teil des Goldenen Horns und machen sich umgehend daran, den Wiederstand der Landseite mit Waffengewalt zu brechen. Nachdem das Pera-Ufer eingenommen ist, setzen die Kreuzfahrer auf die andere Seite des Goldenen Horns über. Trotz des heftigen Wiederstandes der Byzantiner gelingt es in die Altstadt beim Blachernenpalast, dem Sitz des byzantinischen Kaisers, einzufallen. Alexios III. ist zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in der Stadt sondern auf der Flucht. Das Byzantinische Reich ist ohne Kaiser.

Wiedereinsetzung Isaaks II.

Eilig wird Isaak II. aus dem Gefängnis geholt und wieder als Kaiser eingesetzt. Formal ist Isaak II. zu diesem Zeitpunkt ohnehin Kaiser, da sein Thron von seinem Bruder Alexios III. usurpiert worden ist. Die Kreuzritter stellen die Kampfhandlungen erst ein, als Isaak II. die Versprechen seines Sohnes Alexios bestätigt, und ziehen sich nach Pera und Galata zurück, dort auf die Einlösung der finanziellen Versprechen zu wartend. Isaak II. ist nach seinem Sturz 1195 geblendet worden und ist körperlich so zermürbt, dass es ihm nicht möglich ist die Amtsgeschäfte zu führen. Am 1. August 1203 wird daher sein Sohn Alexios als Alexios IV: Angelos zum Mit-Regenten erhoben.

Fünfmonatige Regentschaft Isaaks II. & Alexios IV.

Das Byzantinische Reich ist nach der Zeit von Alexios III., der, wie die Kaiser vor ihm, die Staatskasse geplündert hat, nicht in der Lage den von Kreuzfahrern geforderten Betrag zu zahlen. Es wird versucht mit Steuern zusammenzubekommen, was nur teilweise gelingt und für Unruhe in der Bevölkerung sorgt, die genau weiß, dass ihre Steuern an die Kreuzfahrer fließt. Die Kirche wiedersetzt sich den Bestrebungen des Isaak II. sie unter die Oberhoheit des Papstes zu stellen. Das Fass zum überlaufen bringen zum einen, dass Isaak II. Kirchensilber einschmelzen lässt um die Kreuzfahrer auszuzahlen und das Niederbrennen einer kleinen Moschee im Viertel der sarazenischen Händler, was zu einer zweitätigen Feuersbrunst in Konstantinopel führt. Alexios Doukas, zu dieser Zeit Kämmerer am byzantinischen Hof, lässt Isaak II. und dessen Sohn Alexios gefangen nehmen und wenige Tage später töten. Er selbst besteigt als Alexios V. Doukas den byzantinischen Thron.

Eroberung Konstantinopels durch dei Kreuzfahrer

Alexios V. stellt die Zahlung kurz nach seiner Krönung komplett ein und rüstet die Stadt auf. Die Kreuzritter, die schon seit längerem nicht mehr mit einer Begleichung der Schulden rechnen, rüsten sich ebenfalls für einen Angriff. Der Angriff der Kreuzritter auf Konstantinopel erfolgt am 9. April 1204. Die Stadt wird im Sturm genommen und die Kreuzritter zerstören, plündern und schänden alles, was ihnen in den weg kommt. Keine christlichen Kirchen und keine Klöster werden verschont. Die bedeutendsten Kunstsammlungen der damaligen Welt werden teilweise zerstört und teilweise nach Venedig verschifft. Noch heute befinden sich die Pferdestatuen des Hippodroms von Konstantinopel in Venedig, lange zieren sie den Dom von Venedig bis sie aus konservatorischen Gründen in das Dogenmuseum überführt werden und am Dom von Venedig durch Duplikate ersetzt werden. Die vielen christlichen Reliquien werden auf ganz Europa verstreut.

Aufteilung des Byzantinischen Reiches

Den Kreuzfahrern gelingt es, den nach tapferem Kampf geflohenen Kaiser Alexios V. in Thrakien zu verhaften und nach Konstantinopel zu bringen. Er wird dort zum Tode verurteilt und von der Theodosios Säule in den Tod gestürzt. Die Kreuzfahrer teilen das Byzantinische Reich unter sich auf indem sie das byzantinische Reich in vier Kreuzfahrerstaaten aufteilen. Die Hauptstadt Konstantinopel mit Ostthrakien und dem Nordwesten Kleinasiens werden zum Lateinischen Kaiserreich unter Balduin von Flandern. Die zweitwichtigste Stadt im Byzantinischen Reich Thessaloniki, das übrige Makedonien, Westthrakien und weite Teile des östlichen Mittelgriechenland werden zum Königreich Thessaloniki unter Bonifatius von Montferrat. Die Halbinsel Attika und wenige angrenzende Gebiete werden zum Herzogtum Athen unter Otto de la Roche. Der vierte Kreuzfahrerstaat entsteht auf dem Peloponnes als Fürstentum Achaia unter Wilhelm von Champlitte.

Kaiserreich Nicäa

Das Byzantinische Reich ist jedoch nicht am Ende. Auf einem Streifen, der von Smyrni (heute: Izmir) über Bursa und Nicäa zum Schwarzen Meer führt entsteht das Kaiserreich Nicäa. Byzantinischer Exil-Kaiser in Nicäa wird 1206 Theodoros I. Laskaris. Neben dem Kaiserreich Nicäa entstehen das Kaiserreich Trapezunda mit der gleichnamigen Hauptstadt (heute: Trabzon) am Schwarzen Meer und das Despotat Epirus, welches die Fläche des heutigen Albaniens und den westlichen Teil Mittelgriechenlands umfasst.

Die Kreuzfahrer und das byzantinische Volk

Die Bevölkerung in den Kreuzfahrerstaaten steht den „Lateinern“ feindselig gegenüber. Die Kluft zwischen den Herrschenden und den byzantinisch-griechischen Untergebenen wird dadurch vergrößert, dass in den orthodoxen Kirchen der lateinische Ritus eingeführt wird. In Thessaloniki wird zum Bespiel die alte orthodoxe Kirche Hagia Sophia zu einem katholischen Bischofssitz umfunktioniert.

Rückeroberung Thessalonikis

Von den Nachfolgestaaten des Byzantinischen Reiches gelingt es dem Despotat Epirus am besten die Lateiner in Schach zu halten. Bereits 1224 gelingt es dem Despotat Epirus unter Theodoros I. Angelos das Königreich Thessaloniki zurückzuerobern und seine Herrschaft bis Ostthrakien auszubauen, was das Ende der Kreuzfahrer in der nördlichen Ägäis zur Folge hat.

Erster Versuch der Rückeroberung Konstantinopels

Die Venezianer, die nach der Eroberung des Byzantinischen Reiches die größten und wertvollsten Anteile erhalten haben, sicherten sich auch das Handelsmonopol für die entstandenen Kreuzfahrerstaaten. Durch die Gier der Venezianer ist es für das Kaiserreich Nicäa ein Leichtes Pisa und Genua auf seine Seite zu bringen. Nicäa, Genua und Pisa paktieren gegen die Kreuzfahrer und vor allem die einflussreichen Venezianer. Neben der Allianz mit den italienischen Städten gelingt es Johannes III. Vatatzis, Schwiegersohn des verstorbenen Kaisers Theodoros I. Laskaris, 1235 ein Bündnis mit Bulgarien zu schließen und Konstantinopel zu belagern. Die Rückeroberung misslingt, jedoch wird das Lateinische Kaiserreich fast vollständig aus Ostthrakien verdrängt. Im selben Jahr kommt es zum Bruch mit Bulgarien, welches siegreich gegen das Despotat Epirus ist und den Zerfall von Epirus in kleine Despotate zur Folge hat. Johannes III. gelingt es 1246 Thessaloniki und die umliegenden Gebiete bis zum Herzogtum Athen für das Kaiserreich von Nicäa zu erobern.

Theodoros II. Laskaris

Johannes II. Vatatzis stirbt am 3. November 1254 und hinterlässt seinem Sohn und Nachfolger Theodoros II. Laskaris (der dynastische Name ist über seine Mutter Irini von seinem Großvater Theodoros I. Laskaris vererbt worden) ein aufblühendes Reich. Theodoros II. Laskaris ist nur vier Jahre Kaiser. Trotz der außenpolitischen Spannungen gelingt es ihm das Kaiserreich Nicäa nicht nur zu stabilisieren sondern auch zu einer kulturellen Blüte zu führen. Mit seinem Tod erbt sein achtjähriger Sohn Johannes IV. Laskaris den Thron. Bereits im Jahr darauf wird Johannes IV. entmachtet und geblendet, für ihn regiert Michael VIII. Paleologos als Kaiser von Nicäa und später als byzantinischer Kaiser.

Rückeroberung Konstantinopels

Ursprünglich soll der Feldherr Alexios Strategopoulos im Jahr 1261 lediglich die Verteidigung der besetzten Stadt Konstantinopel eruieren. Ihm und seinen Männern wird zugetragen, dass der größte Teil des lateinischen Heers sich auf einem Beutezug am Schwarzen Meer aufhält. Da Konstantinopel quasi ohne Verteidigung auf dem Präsentierteller liegt, erobert Alexios Strategopoulos mit seinen nur 500 Soldaten in der Nacht zum 25. Juli 1261 die Stadt für den byzantinischen Kaiser zurück.

Einzug Michaels VIII. in Konstantinopel

Zunächst kann Kaiser Michael VIII. die gute Nachricht nicht fassen, erst als ihm die Herrschaftsinsignien des lateinischen Kaisers Balduin, der nach Euböa geflohen ist, überreicht werden, setzt er sich von Nicäa nach Konstantinopel in Bewegung. Am Feiertag der Jungfrau Maria, die Schutzpatronin der Stadt Konstantinopel ist, am 15. August zieht Michael III. in Konstantinopel ein und stellt somit das ursprüngliche Byzantinische Reich wieder her.

Auswirkungen auf das Byzantinische Reich

Die Stadt ist zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Schatten ihrer glorreichen Vergangenheit. Die lateinischen Herrscher haben in ihrer 57-jährigen Herrschaft über die Stadt noch nicht einmal die Kriegsschäden der Kreuzrittereroberung von 1204 an den Verteidigungsanlagen beseitigt. Die Bevölkerung ist verarmt und die öffentlichen Gebäude sind baufällig. Von der Eroberung durch die Kreuzritter wird sich das Byzantinische Reich nicht mehr erholen und die Gräueltaten der Kreuzritter an der griechisch-byzantinischen Bevölkerung sind vor allem bei der orthodoxen Kirche bis heute nicht vergessen.

Byzanz Bildergalerie:

Relief eines Agnus Dei im Archäologischen Museum von Istanbul Kreuzfahrerburg in Caesarea Maritima Grab eines Kreuzfahrers
Relief eines Agnus Dei im Archäologischen Museum von Istanbul Kreuzfahrerburg in Caesarea Maritima Grab eines Kreuzfahrers

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